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Alt 27.11.2005, 21:10
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DarkBorg DarkBorg ist offline
The Agent of Chaos
 
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Standard Rotten Empire - Book I: The Unknown

Vorwort:

Es war ein sonniger Tag als ich das erste Mal mein Microsoft Word öffnete und darin die Zeilen schrieb „Raziel stand auf einen Hügel[…]“. Dies war damals die Geburtsstunde meiner Geschichte die einfach nur „The Unknown“ geheißen wurde.
Schließlich musste ich aber diese Fan Fiction aufgeben, denn es mangelte mir an Ideen. So gerne wollte ich diese Geschichte fortsetzen, ein Kapitel nach dem anderen verfassen, doch wie sollte das funktionieren wenn ich nicht einmal das Ende kannte? Einige Zeit später versuchte ich mich erneut an einem Remake, das Ergebnis war das gleiche: keine Ideen bedeutete keine Geschichte.

Letztendlich war dies einer der traurigsten Momente für mich, denn die Geschichte begleitete mich permanent in meinem Geist und war allgegenwärtig, aber immer nur auf die bereits geschriebenen Elemente fokussiert. Wie sollte ich es da schaffen eine komplette Geschichte, mit Anfang und einem Ende, daraus zu machen? Nun, nachdem jetzt bald 3 Jahre seit dem ersten erscheinen dieser Fan Fiction vergangen sind, kann ich mit Stolz verkünden: es ist getan.

Die Geschichte um Kain und seine Söhne hat weitaus mächtigere Bahnen angenommen als ich es selbst für Möglich gehalten hätte. Nun kann ich voller Stolz verkünden das diese Geschichte „fertig“ ist. Zwar mag noch nicht alles in Schrift festgehalten sein, aber in Wort defenetiv. Bereits jetzt habe ich unzählbare Stunden des Schreibens, Lesens und Korrigieren hinter mich gebracht, zusammen mit meinem Helferlein Vampire G.

Jedoch spürte ich in letzter Zeit dieses „jucken“ in den Fingern, diesen Wunsch endlich den Lesern meine Geschichte von Kain zu präsentieren. Dies ist hiermit der erste Schritt, aber bevor ich meine niederlege, möchte ich noch folgenden Personen danken:

- Vampire G für ihre Hilfe und den Korrekturen
- Miyu bzw. JoeCool, die Korrigiert und Testgelesen hat

Ohne die zwei wäre die Geschichte nicht das was sie jetzt ist. Zuletzt sollte diese Geschichte jemanden gewidmet sein. Würde ich’s jeder Person widmen der ich wollte, würde diese Seite hier überquellen vor Namen und so entschied ich mich dafür diese Geschichte jemanden zu widmen der überhaupt nichts mit diesem Projekt zu tun hat: meiner Freundin Bianka (Bibi). Du bist meine Inspiration, meine Muse...

Und somit präsentiere ich: Legacy of Kain - Rotten Empire Trilogy

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Nosgoth steht in Flammen…
Vieles was einst war, ist nun nicht mehr;
Vieles was Kain einst erschaffen wollte, kommt nicht mehr…

Ein schwarzer Schatten, größer als Kains schwarze Seele es jemals war,
hat sich über die Welt gelegt und diese in das unendliche Chaos gestürzt.
Zwischen seinen Klauen rinnt die Asche und der Staub von seinem Imperium dahin;
Sein Reich liegt in Trümmern.

Die Menschen meiden die Straßen, denn im Schatten lauern „Sie“, wartend…
Selbst die Sonne, hat sich vor dem Bösen im Schatten der Wolken und dem Rauch
aus Kains Schornsteinen, verkrochen.

Soweit das Auge reicht, liegen die toten Körper der Vampire, gefallen in den Kriegen um das Reich, aufgespießt und entstellt.
Das Blut rinnt ihnen aus den Mündern, und die Augen, die einst diesen grausamen Feind entdeckten, starren nur noch leblos in das Nichts.

Die wenigen, die diese Schlacht überlebt haben, versuchen die mächtigen Hallen aus Stein, von ihren Herren überreicht, zu beschützen.
Doch die Feinde sind zu zahlreich!

Nur noch die mit Pein gefüllten Schreie hallen durch diese Gebilde, wo einst die großen Meister ihre Feste feierten.
Der Regen donnert als letztes, wütend gegen den Boden.
Er wird das Blut mit sich nehmen.

Doch dies ist nicht das Ende,
denn die Clanherren haben sie noch nicht bekommen…


Tief blickte Raziel, der am Eingang der Höhlen (nahe von Dark Eden, bei dem einstigen Orakel von Nosgoth), in die schwarze Nacht hinein, die dunkler nicht hätte sein können. Wie ein Tuch, das über den Horizont gespannt wurde, in der Hoffnung jedwedes Licht zu verschlingen.
Nur das Feuer, das hinter ihm im gelb-roten Schein brannte, spendete Licht in diesen trostlosen Tagen. Der Regen hatte nicht aufgehört, und der eiskalte Wind wehte scharf um die Felsen dieses Ödlands. Ein verlassener Ort.

Raziels Gesicht war schmutzig, seine Kleidung übersät mit Blut und Dreck aus den Schlachten. Welch eine Erniedrigung für einen Vampir seines Adels; seines Ranges, sich inzwischen in solch schäbigen Gewändern zeigen zu müssen. Noch vor wenigen Tagen kleidete er sich mit der feinsten Seide aus dem fernen Süden Nosgoths und nun stand er da, wie ein Bettler mit einem zerrissenen Lumpen als Gewand, der verzweifelt versucht ein trockenes Stück Brot zu erhaschen.
Melchiah, Zephon, Rahab, Dumah und Turel saßen schweigend um das Feuer herum, die Blicke in die lodernden Flammen gerichtet. Der Hunger stand allen in das Gesicht geschrieben, und die schwarz untermalten Augen wollte nur noch Ruhen.
Auch wenn alle Knochen schmerzten und die Müdigkeit die Sinne benebelte, so trauten sich die Brüder nicht die Augen zu schließen. Zu viele Gedanken wanderten umher, was sich im Dunklen der Finsternis verbergen könnte. Der schlimmste Gedanke, den man fassen konnte, war an „Sie“.

Langsam fuhr Zephon mit seiner Klaue über seinen Unterarm und ließ das rausquellende Blut auf den Boden tropfen. Nun saß er da, wartend auf ein Getier, das den süßen Duft des Blutes riechen würde.
Nach einem kurzen Augenblick schoss blitzschnell eine Ratte zwischen zwei kleinen Felsen hervor, der das Blut in die Nase gestiegen war, in der Hoffnung ein sterbendes Tier zu finden. Schnell griff er nach der kreischenden Ratte und rammte seine Zähne tief in das Fleisch hinein.
Nachdem er zwei kräftige Züge vom Blut genommen hatte, warf er die tote Ratte in das Feuer und spuckte verächtlich auf den Boden. „Verdammtes Rattenblut! Ich kann es nicht mehr sehen!“ zischte er wütend zwischen den Zähnen hervor, während ein Tropfen Blut über die Lippen nach unten rann.
Mit tiefer, bedachter Stimme sprach Turel „Niemand hat dich gezwungen, es zu trinken, kleiner Bruder“. Zephon warf ihm daraufhin einen von Zorn geprägten Blick zu, ohne sich zu einer zynischen Antwort hinreißen zu lassen, wie sonst von ihm gewöhnt.

Über solche bissigen Dialoge konnte Raziel nur innerlich grinsen, und doch ließ er es sich nicht nehmen, einen Blick über seine Schultern, zu Kain zu werfen.
Dieser stand auf der anderen Seite, hinter dem Lagerfeuer, in die Tiefen der dunklen Höhle blickend. Der Soul Reaver auf seinem Rücken, reflektierte das Licht des Feuers und die Augen des Schädels schienen mystisch zu leuchten. Wie konnte er so kühn dort stehen, völlig unberührt von jedwedem Kommentar oder Vorfall? Er hatte dasselbe Schicksal geteilt, in der grausamen Schlacht um das Reich (die letzte Rettung für Nosgoth), seinen Platz eingenommen, und trotzdem ließ er sich von keinem der hier Anwesenden irgendwie berühren.
Langsam drehte sich Raziel wieder dem Himmel zu, in der Hoffnung dass ihn all diese grausamen Erinnerungen und Gedanken nicht verfolgen würden. Doch was er sich so sehr erhoffte, dass dies alles nur ein Traum sei, aus dem es zu erwachen galt, würde nie passieren.
Als Raziel die Augen schloss, nahm er auf einmal das Herunterfallen eines Steines wahr, das in der weiten Ferne zu hören war. Nervös ließ Raziel seinen Blick durch das Land schweifen, vergeblich versuchend einen Blick auf das zu erlangen, was nicht gefunden werden wollte.

Hektisch drehte er sich um, ging an seinen Brüdern vorbei und griff sich sein Schwert, das auf einem Stein hinter dem Lagerfeuer lag. Die anderen, völlig verwundert von seinem Handeln, begannen zu begreifen, worum es sich handelte. „Sie“ hatten die Herren der 6 Nosgothischen Clans gefunden.
Rahab, völlig entkräftet von dem tagelangen Marsch durch dieses Ödland, richtete sich auf. „Wie kann das sein? Wir hatten doch mindestens fünf Tage Vorsprung oder… wie kann es dann sein, dass diese Wesen uns bereits jetzt eingeholt haben? Das ist nicht möglich…“
Raziel griff nach einem erst halb brennenden Ast im Feuer, ging erneut zum Eingang der Höhle und warf diesen die steile Felswand hinab.
Im Schein der fallenden Flamme sah er, wie diese Wesen, von jedem nur „Unknown“ genannt, im Schutz der Dunkelheit, die Felswand hinaufkamen. Sie sahen aus wie die Schatten selbst, und ihre Körper glichen deformierten Tieren; und ihre Schreie glichen denen des Todes, die jedem der sie hörte, tiefste Angst einjagten.
Sein einziger Gedanke im diesem Moment war, wie schnell diese Wesen den Vorsprung aufholen konnten und zudem in solch einer Anzahl, dass diese fast das gesamte Ödland ausfüllten, das sich nahe den Nordbergen befand.
Mit einem fragenden Gesichtsausdruck wandte er sich zu Kain, der sich ihm nur langsam zuwandte. „Nehmt eure Waffen, wir werden durch diese Höhlen einen anderen Ausgang suchen müssen…

Legacy of Kain
Rotten Empire Trilogy
I. The Unknown

Kapitel 1

Völlig gebannt umfasste Melchiah kräftig den Thron, geschaffen aus der feinsten Eiche die in Nosgoth existierte, und blickte fasziniert in die karge, schwach mit Kerzen ausgeleuchtete runde Halle, wo gewaltige Banner an den Wänden das Clanzeichen der Melchiahim präsentierten.
Während seine Diener zu seiner Rechten und Linken auf dem kalten Steinboden saßen, tanzte vor dem Meister, in knappe Kleidung gehüllt, einem durchsichtigen, seidigen Tuch, eine wunderschöne menschliche Sklavin.
Diese makellose Haut, die das verdeckte, was er so sehr begehrte, dass es ihn fast in den Wahnsinn trieb: das schöne, perfekte und absolut unbefleckte Fleisch einer Frau. Wie sehr er sich doch verführt fühlte, es ihr einfach von den Knochen zu reißen, um seine Wunden zu füllen.

Dies war nicht immer so, denn einst war er auch ohne Makel. Dann aber stieg Kain, der den Ländern die Freiheit nahm, hinab in die Unterwelt, um 6 Seelen dem Fegefeuer zu entreißen und zurück in die Welt der Menschen zu bringen. Was keiner zu diesem Zeitpunkt wusste war, dass es die Seelen von Serafanen waren, fanatischen Priestern, die sich der Vernichtung der Vampire verschrieben hatten (bevor diese zerschlagen wurden). Jede der Seelen, die durch die Rückkehr dem Blutdurst und Vampirismus verfiel, wurde ein Teil der Macht von ihm selbst zu Teil. Raziel, der als erstes aus seinem zweitausend Jahre langen Schlaf erwachte, bekam den meisten Teil und erhielt die größte Macht von allen, womit er für Kain zu etwas Besonderem wurde.

Danach fanden Turel, Dumah, Rahab und Zephon den Weg zurück in die Welt der Lebenden. Melchiah war der letzte, so dass er den kleinsten Teil der Macht seines Herrn erhielt. Das Geschenk des Vampirismus wurde zum Segen und Fluch zugleich. Er mochte zwar in der Lage gewesen sein, sich dem Sog der Unterwelt, der seine Seele umklammerte, zu entziehen, aber war dennoch nicht mächtig genug, sich der Fäulnis, die an seinen Brüdern und ihm immer wieder nagte, zu widersetzen. Sein Körper verrottete, während er eine Existenz als schwächster Clanherr fristete.
Der Moment der Geburt und die damit verbundene Stärke, machten die Hierarchie unter den Clans und die größte des eignen Reich aus.
Raziel und sein Clan, die Razielim, waren die mächtigsten, stärksten, aber auch die eitelsten aller Clans in Nosgoth. Was er sagte, war Gesetz und konnte nur durch Kain selbst wieder an Bedeutung verlieren. Turel und Dumah, die Führer der Turelim und Dumahim lagen oft im Streit, wer nun der stärkere von beiden sei. Turel und seine Nachkommen besaßen die Gabe der Telekinese, was sie geistig auf ein hohes Niveau brachte. Dumah und seine Gefolgschaft waren körperlich überlegen, wodurch sie sich leicht durchsetzen konnten, wenn es zum Streit oder gar zum Krieg kam.
Die Rahabim, unter der Führung von Rahab, und Zephon´s Untertanen, die Zephonim, besaßen ein ähnliches Verhalten, wie Turel und Dumah. Auch wenn Rahab der stärkere von beiden war, so versuchte Zephon doch immer wieder ihm seinen Platz streitig zu machen und das Gleichgewicht, durch mehr Soldaten, als die Rahabim, wiederherzustellen. Melchiah, der als letzter erneut das Licht der Welt erblickte, war ruhiger und nachdenklicher, als seine Brüder. Immer wieder stellte er sich nur diese Fragen: „Wieso war ich so schwach? Wieso musste ich von dem Getier Mensch, das Fleisch rauben? Womit haben ich und mein Clan das verdient? Wieso kann ich mich nicht einfach dem Tod hingeben?“.

Melchiah besaß einen tiefen und unergründlichen Hass gegen die Menschen, weil er abhängig von ihnen geworden war. An den verschiedensten Stellen quoll das verweste Fleisch aus den zugenähten Wunden, die immer wieder nur mit neuem zugestopft und dann geflickt wurden.
Das grausamste an diesen Fluch war, dass er es ungewollt an seine Nachkommen weitergab. So waren er und seine Söhne, sowie Töchter an die Haut und das Fleisch der Menschen gebunden, um damit die eignen, verwesten Stellen zu überdecken. Sie wanderten auf einem schmalen Grad, zwischen den Lebenden und Toten, was für den Clanherren ein weiterer Grund für seine Abscheu ihnen gegenüber, war.

Die Sklavin, die ihm sehr nah gekommen war, ließ das Tuch über seinen Körper wandern und berührte ihn sanft mit den Fingern, während sie ihren Körper vor ihm räkelte. Seiner Gier zu Trotz, blickte er tief in ihre Augen und sah den Hass, die Verabscheuung, die Verspottung für das was er war, sowie für seine Schwäche (die letztlich nur eine Einbildung war).
Noch im selben Moment griff er nach ihrem Arm und zog sie nah an sich heran, so dass die Sklavin begann, Angst zu verspüren. Tief atmete er ihren Duft ein und sprach „Du hast Angst; Du stinkst förmlich danach… wenn du so sehr die Furcht verspürst, wieso verhöhnst du mich dann?“ „Ehrwürdiger Meister Melchiah, glaubt mir, ich habe keineswegs euch verhöhnt, ich würde es nie wagen…“ stammelte sie hervor, bevor er sie wütend, mit einem Knurren unterbrach „Du wagst es mich anzulügen?“ Seine Stimme wurde immer erzürnter, während er sie so nah an sich heranzog, dass sie seinen fauligen Atmen riechen konnte.

Als sie begann, sich voller Panik gegen seinen harten Griff zu wehren, schnappte Melchiah mit seinen Zähen zu und biss ihr tief in den Hals hinein. Ein tiefer Schmerz durchfuhr ihren Körper und mit dem Willen, sich zu befreien, drückte sie sich mit voller Kraft von ihm weg, womit ihr ein Stück Fleisch aus dem Hals gerissen wurde, und sofort das Blut aus dem Körper spritzte.
Vollkommen paralysiert von dem wunderschönen Lebenssaft, stieß er sie die Treppen, die zu seinem Thron führten, hinunter; sie fiel mit dem Kopf auf den Boden, worauf Blut von ihrer Stirn hinab lief. Seine Untertanen fingen bereits an, sich aufgeregt die Mäuler zu lecken, in der Hoffnung auch ein Stück ihres Körpers zu bekommen. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, stand er langsam auf, ging einige Schritte die Stufen hinab und blickte verachtend auf die völlig benommene Sklavin hinab, die sich völlig verzweifelt die Hand an den Hals hielt, in der Hoffnung, das Bluten möge bald aufhören. „Welch verachtenswerte Kreaturen ihr doch seid; ja richtig bemitleidenswert! Du hast es gewagt, dich mir zu widersetzen, Menschenweib. Trage die Konsequenz aus deinem Handeln!“ Sein Blick wurde erfüllt von Hass, und er schrie wütend heraus „Sie gehört euch, meine getreuen Untertanen. Labt euch an ihrem Fleisch, füllt eure Wunden und stillt euren Durst, doch bringt mir ihre Haut!“.

Als er sich umdrehte, um sich auf seinen Thron zu setzen, stürzten die Massen hinab und rissen sie, wie ein Rudel Wölfe ein Reh. Ihre letzten Momente auf dieser Welt waren erfüllt von der Pein der Vampirzähne, die sich immer tiefer in jeden Winkel des Körpers bohrten, um den Lebenssaft zu rauben.
Nachdem das Werk vollbracht war, kam ein Vampir auf den Clanherren zu und legte die übrig gebliebene Haut behutsam und untertänigst, mit folgenden Worten vor den Thron: „Meister Melchiah, hier ist euer Begehr.“
Dieser sah auf die von den Zähnen zerrissene und blutverschmierte Haut herab und begann, tief in Gedanken, sich selbst zu verfluchen, etwas so Wunderschönes getötet zu haben. Denn er besaß keine Schönheit. Nur einen vom verwesten Fleisch aufgequollenen Körper, übersät von vernähten Wunden, aus denen der Verwesungsgeruch eines sterbenden Körpers drang.

„Bringt es in meine Räume“ vernahmen die Diener von ihm, bevor er sich wieder erhob, um in seine Gemächer zu gehen. Plötzlich stürmte einer seiner Wachmänner, die an den Grenzen seines Reiches aufpassten, um das Eindringen von Vampirjägern frühzeitig zu erkennen, herein und sprach mit aufgeregter, hastiger Stimme „Mein Meister Melchiah, soeben erreichte uns eine Nachricht vom Heiligtum der Clans. Der große Herrscher hat euch und die anderen Clanherren einberufen lassen. Das ließ uns vor wenigen Minuten ein Bote des Herren erfahren.“. Als Melchiah das vernahm, ließ er für einen kurzen Augenblick seine Gedanken schweifen. Die Frage, die ihn quälte, war das „warum“, denn es hatte schon seit Langem keine Nachrichten mehr vom Herzen des Reiches gegeben. Genau so wenig, wie ein Zusammentreffen aller Clanbrüder. Wieso denn auch? Nosgoths Willen und der der Nachfahren der einstigen Könige, war gebrochen. Das Land war nach den Wünschen ihrerseits geformt worden, und die Menschen lebten nur noch verstreut, wobei die meisten Sklaven Kains waren. Feinde, die sich gegen das Imperium erhoben, waren schon lange gegangen, was die einstige und gewaltige Streitmacht überflüssig gemacht hatte. Diese wenigen, die noch da waren, fristeten ein karges Dasein in den Städten, wovon die meisten zu Ruinen verfallen waren; nur die Schwarzen Türme erhoben sich aus den Trümmern im vollen Glanze. Nur noch eine kleine Anzahl der freien Menschen, die krankhaft versuchten, mit ihren jämmerlichen Vampirjägern, die stolze Rasse zum Fall zu bringen. Diese waren jedoch mehr amüsant als eine ernsthafte Bedrohung für das Reich.

Leichte Aufregung erfüllte Melchiah, bei dem Gedanken sich endlich aus der Langeweile erheben zu können, die die Sinne schon so lange knebelte.
„Ich werde mich bald einfinden, sagt das dem Boten!“ und mit einer freudigen Erwartung, auf die kommenden Dinge, die ihm das soeben Passierte, fast vergessen ließ, suchte er seine Räume auf, um neue Kleidung anzulegen, die seinem Rang als Clanherr noch mehr gerecht wurden, damit jeder diesen wertlosen Sklaven sehe und dass er der Herr der Melchiahim sei und sie ihre Häupter senkten.

Und so begab sich Melchiah über sein Reich mit seinen von ihm und seinen Nachfahren geplünderten und entweihten Friedhöfen der Menschen, durch das Reich seines Bruders Raziel und dessen mächtigen Hallen aus massivem Stein, bis hin zum Abyss, wo Verräter und Schwächlinge hineingeworfen wurden, um dort auf ewig die nie endende Qual zu erfahren. Vor vielen Jahren teilten sich hier die Landmassen und erzeugten einen unendlich aussehenden Wirbel. Aufgrund der Einzigartigkeit dieses Geschehens rankten sich viele Erzählungen um diesen Ort. Bei den Vampiren glaubte man, dass Kain mit seinem Schwert eine solche Macht heraufbeschwor, dass er den tiefsten Punkt des Sees des Todes aufbrach und somit die sechs Seelen freisetzte, die seine Söhne wurden. Die Menschen hielten daran fest, dass Kain durch diesen für sie frevelhaften Akt, das Tor zur Hölle aufstieß und der entstandene Schlund der Unterwelt nun auf die Rückkehr der sechs mächtigen Seelen wartete, die früher oder später wieder ein Teil des Hades werden würden.
Für Melchiah, der kein Interesse an dem Gerede des Vampirischen Hofes oder irgendwelcher Sklaven hatte, war es immer eine Strafe, diesen Ort zu durchqueren, weil die Luft so voller Feuchtigkeit war, dass es immer bis in den tiefsten Winkel der Lunge wie ein Feuer brannte. Die einzigen Momente, die alle Clanherren an diesem Ort wirklich genossen, waren die, wenn ein weiterer Schwächling dort hingerichtet wurde, und das von Schmerz erfüllte Geschrei zu ihnen getragen wurde.

Als Melchiah das Heiligtum erreichte, blieb seine Wache vor dem Gebäude der Clans stehen. Den Untertanen der jeweiligen Clans, war es unter keinen Umständen gestattet, Kain mit eigenen Augen zu sehen oder seinen blanken Namen zu nennen. Nur Kains treueste Diener, die mit ihm in den Schlachten große Dienste als Untertanen der Clans geleistet hatten, von denen viele Vampire, die nun existierten, nichts mehr wussten, hatten die Ehre von ihm persönlich, von Angesicht zu Angesicht, die Befehle empfangen zu dürfen. Dies durften sie aber immer nur mit den Worten „…ja großer Kain, es wird nach eurem Willen geschehen“, während die Diener der Clans ihn nur mit „…dem Herren Nosgoths“ oder mit „…der große Herrscher“ umschreiben durften.
Natürlich galten diese Regeln keinesfalls für die Clanherren, die seine Generäle und Söhne repräsentierten, denn sie waren fast wie sein eigen Fleisch und Blut und daher von höchsten Rängen. Die meisten von Kains persönlichen Dienern, entsprangen den Razielim, gefolgt von den Turelim und Dumahim; aus den Reihen der Rahabim kamen lediglich nur zwei, und aus der Gefolgschaft der Zephonim und Melchiahim entsprang niemand, den Kain als würdig erachtete, seiner persönlich zu dienen. Natürlich war Zephon darüber äußerst erzürnt, da er sich und sein Clan für genauso hoch empfand, wie Rahab´s Untertanen. Melchiah hingegen, war es vollkommen klar, dass nie jemandem aus seiner Gefolgschaft je eine solch hohe Ehre zu teil werden würde, bei dem Fluch, der auf ihnen lastete und gab sich somit diesem Schicksal hin.

So geschah es, dass Melchiah, ohne Untergebene oder Begleitung, nur ständig dem starren Blick der Kainitischen Wachen ausgesetzt, durch die kalten Gänge wandern musste, bis er die „Halle der Vereinigung“ erreichte. Dies war der Ort wo sich einst, am „Beginn des neuen Zeitalters“, wie Kain es immer nannte, alle einfanden, um über die Eroberung und „Neu-Schaffung“ Nosgoths zu debattieren; die einst stolzen Säulen von Nosgoth immer im Blickfeld, die nun bis in das Tiefste verfault waren, durch die Korruption Kains. Voller Demütigung trat Melchiah vor den Thron seines Meisters und kniete sich nieder, während Kain auf ihn hinab Sah, den Soul Reaver, das mächtige Seelenfressende Schwert, in der rechten Hand haltend.
Kaum hatte sich Melchiah erhoben und sich neben Rahab gestellt, womit die Brüder fast einen Halbkreis vor ihrem Meister bildeten, da trat Raziel herein. Noch nie war er vor seinen Brüdern eingetroffen und nie wollte er es tun, denn in seiner Eitelkeit, wollte er sich nicht seines Ranges berauben, indem er sich mit den anderen dadurch gleichstellte, was Kain sogar im gewissen Maße, gefiel. Dennoch musste er das gleiche tun, wie jeder andere seiner Brüder: Er ging vor Kain in die Knie. Nachdem er sich zu Kains Rechten gestellt hatte und ein kurzer Moment der Ruhe eingekehrt war, erhob sich die Stimme des Herrschers selbst.

Jedes mal, wenn er das tat, so wurde es still in den Räumen des Heiligtums, denn seine Stimme war so gewaltig und von solcher Kraft und Überzeugung, dass es war, als würde die Erde darunter erbeben. „Der schwarze Turm von Avernus ist im Morgengrauen gefallen. Es haben nur zwei Diener der Zephonim überlebt. Einer ist bereits seinen Wunden erlegen, der andere kämpft noch um die Oberhand gegen den Sog der Unterwelt“. Sofort ergriff Raziel das Wort „Meister, ihr sagtet seinen Wunden erlegen? Das müsste bedeuten, er ist“ „Ja, Raziel, er ist verblutet“ unterbrach Kain Raziel, als er ihm einen ernsten Gesichtsausdruck zuwarf. Helle Aufregung erfüllte die Halle, wobei sich jeder die gleiche Frage stellte: Wie konnte es sein, dass ein Vampir verblutet? Bei einem Vampir verschließt sich die Wunde in dem Moment, in dem sie geschlagen wird; das unsterbliche Fleisch eines Dieners der Herren, egal welchem Clan er auch entsprang, konnte nicht auf diese Weise besiegt werden. Als die Unruhe unter den Meistern nicht hätte größer sein können, stürmte ein Kainitischer Diener in die Halle, kniete sich schnell nieder und verkündete voller Schrecken, mit einem aufgeregten Unterton „Mein Meister, Willendorf ist zerstört; der Schwarze Turm steht in Flammen!“. Dann war nur noch Dunkelheit umher…

Ruckartig riss Melchiah die Augen auf und blickte seinem Bruder Zephon in die seinen, während er hastig ein- und ausatmete. „Komm, wir haben einen Ausgang gefunden“
Schon Tage waren die Clanherren durch dieses Höhlensystem gelaufen, wo ein Gang dem anderen glich, und nur zu Beginn eine schwache Fackel in Rahab´s Hand, das Labyrinth ausleuchtete. Immer wieder hatten die Anwesenden Schatten wahrgenommen, die Menschen verschlossen geblieben wären, und ein weit entferntes Grollen kündigte das Kommen dieser vermaledeiten Wesen an. Als Melchiah schließlich nach dieser langen Zeit der Wanderung, erschöpft von der Flucht von der Schlacht an die Nordhänge, sowie deren Versuch in diesen Höhlen, völlig entkräftet war, rasteten sie, wenn auch kurz. Dennoch hatte dieser kurze Zeitintervall für ihn gereicht, nachdem er sich auf einen Stein gesetzt hatte und das wohltuende Gefühl der Entspannung seinen Körper benebelte, für wenige Minuten in das Reich der Träume zu entgleiten, sowie Beginn des Dramas neu zu erleben.
Diese stickige Luft erschwerte das Atmen ungemein und so war es ein wohltuendes Gefühl, als die Brüder und ihr Herr langsam dem gleißenden Licht der Oberwelt entgegen traten.
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From hell's heart, I stab at thee. For hate's sake, I spit my last breath at thee

Geändert von DarkBorg (27.11.2005 um 23:58 Uhr).
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Kapitel 2

Ein scharfer kalter Wind umwehte die weißen Bergspitzen, die in das Rot der aufgehenden Sonne getaucht waren. Vor langer Zeit hatte Kain gewaltige Hochöfen erbauen lassen, die den Horizont und somit auch das Land durch ihren Ruß und Dreck in ein Dunkel tauchen sollten. Die flachen Täler waren diesem bereits komplett erlegen, aber die Nordhänge, sowie der Nordwesten waren davon noch verschont. Hier war alles in das grelle Weiß des Schnees getaucht; nur an einigen Stellen stachen die braun-grauen Steine der Berge hervor.
Die trockene Luft und die eisigen Stürme töteten jedes Leben und zwangen alles, egal ob schwacher Mensch oder mächtiger Vampir, in die Knie. Lange würden die Clanbrüder hier nicht verweilen können. Sehr viel war Kain oder den anderen von diesen Gegenden unbekannt; diejenigen unter den Spähern, die zu Zeiten der großen Kriege dienten, hatten aufgrund des tödlichen Klimas, es nicht einmal gewagt, dies Land zu betreten. Später hingegen, wäre es ein leichtes gewesen diese Hänge zu erkunden. Doch Kains Interesse galt mehr dem einstigen Land der Nemesis im Nord-Osten, wo sich eine der letzten großen Städte der Menschen befand. Geführt von Lucius Traidor, einem Nachfahren der Könige vom alten Nosgoth. Er galt als Hoffnungsträger gegen das Vampirische Imperium und war Kain lange ein Dorn im Auge. Somit musste er schnell beseitigt werden. Doch keiner der Armeen, egal ob Razielim oder Dumahim, war es je gelungen, die meterdicken Steinmauern der Bastion zu überwinden und auch nur einem der einfachen Menschen, die sich dahinter befanden, Schaden zuzufügen.

Kain war aber äußerst gerissen und wo Gewalt nicht weiterhalf, wusste er mit List und Tücke doch das zu erreichen, was er begehrte. Und so erkaufte er sich mit einem Versprechen, den König vor der Vergänglichkeit des menschlichen Fleisches zu bewahren, dessen Treue. Denn auf ewig wollte Lucius seine Festung, und die mit dem Blut der Soldaten erkaufte Freiheit regieren und keinem Nachfahren die Herrschaft anvertrauen.
Kain war jemand, der sein Wort hielt, selbst einem Menschen gegenüber, doch neigte er dazu, Aussagen wörtlich zu nehmen oder anders auszulegen, als jeder andere; denn in den Ohren eines jeden waren sie so selbstverständlich. So sah die Abmachung lediglich die Rückkehr in das Leben vor, jedoch weder Position, noch unter welchem Clan. Der perfide Plan, ihn als einen Abkömmling Melchiahs wieder in das Reich der Lebenden eintreten zu lassen und Lucius nur als einfache Wache für die Sklaven arbeiten zu lassen, war somit kein Bruch des Wortes, und Kain wiegte sich, zu Recht in Sicherheit.

Turel, der am Ausgang stand, wo noch kein Schnee den Boden bedeckte, murmelte leise vor sich hin und verfluchte die weiße Plage. Er ließ seine Blicke schweifen, von den Gipfeln bis hin zu den Bergwänden, die eine Art unüberwindbare Mauer darstellten und in ältere Gebiete führten, wo noch mehr des Bösen auf seine Erweckung wartete.
Es heißt in alten Schriften und mündlichen Überlieferungen, die die Wahrheit oftmals zur Unverkennbarkeit verzerren, dass die Nördlichen Berge (zumindest bis knapp unter die Spitzen) einst von solch einem Klima verschont waren. Doch, so sagt man sich, habe ein gesichtloses Grauen, die Berge wie ein Schatten überzogen und in den eisigen Würgegriff der Kälte genommen, wo es sonst nur einmal im Jahr kälter wurde. Die böse Saat der Serafan, vor langem gesät, fand unter diesen neuen Bedingungen Nährboden und ging auf; die Menschen klagten Janos Audron für diesen Fluch an, denn viele mussten ihre Behausungen hoch oben in den Bergen aufgeben. Andere wiederum, sahen in den neun Hütern der Säulen die Verräter an der Menschheit und wandten sich von ihnen auf ewig ab, keinen Rat mehr akzeptierend. Kain hingegen änderte später die alten Schriften, nachdem er die Macht in Nosgoth ergriffen hatte und ließ jeden hinrichten, der das Gegenteil von dem versuchte zu erzählen, was mehr Gesetz und Wissen war: Dass Bane, Dejoule und Anacrote, die Dark Eden einst geißelten, auch die Berge unter ihren Bann ziehen wollten und die wüsten Flüche auch den Bergen zu Teil werden ließen.

In den Herzen der Menschen wollte Kain als ein Erretter einer degenerierten Rasse erscheinen, die nur mit einer hart geführten Hand zum Glück finden könne; einige ließen sich blenden und er hatte Erfolg. In späteren Zeiten wurden deren Nachfahren Diener und Priester der Clanherren, auf ewig an sie gebunden.
Die Serioli, mächtige und legendäre Waffenschmieden, die von Ost nach West und von Nord nach Süd für ihre Kunst bekannt waren, besaßen angeblich hier an den Hängen, eine ihrer größten Schmieden. Der Schlag der Kälte soll demnach so schnell erfolgt sein, dass diese nicht mehr rechzeitig fliehen konnten und so erfroren viele oder verhungerten, weil die Schmiede nicht verlassen werden konnte und die heißen Flüsse aus Eisen darunter erstarrten.

Viel Wissen aus der Zeit ging verloren; zuviel für die Menschen und zu wenig für Kain, denn einiges war noch aus der alten Zeit, vor der Herrschaft der Vampire bekannt.
Somit enthielten die Schriften mehr Lug und Trug als die Wahrheit, was Kain sehr gelegen kam. Welches üble Dunkle sich nun genau über die Berge legte, war somit nicht bekannt und sei dahingestellt (auch ist es längst vergessen worden von den Menschen, die heute leben).

Immer stärker blies ein kalter Wind durch die Hänge. Doch Kain hatte dank der Blutbrunnen, deren Wirkung noch andauerte, nichts zu befürchten. Er musterte seine Umgebung genau. Die Gebrüder, die wieder etwas tiefer in die Höhle gegangen waren, blickten entmutigt zu Boden. Nur Raziel, der noch nicht aufgeben wollte, stellte sich zu seines Meisters Rechten und sprach mit gedämpfter Stimme „Lange können wir hier nicht verweilen. Der Wind wird immer stärker und von Norden ziehen dunkle Wolken auf. Habt ihr eine Idee, mein Meister?“. Kain, der sich der Lage durchaus bewusst war, erwiderte hart „Bleib hier bei deinen Brüdern, Raziel. Ich werde die Gegend erkunden“. Und mit diesen Worten nahm Kain kurzzeitig eine schwarze Gestalt an und teilte sich schließlich in viele Fledermäuse, welche die Hänge entlang flogen. Es dauerte Stunden bis er mit guten Nachrichten zurückkehrte. Er erzählte seinen Söhnen von einer steinernen Treppe, welche in eine steile Felswand, nicht weit von den Höhlen, gehauen war. Ein Tor dahinter schien in das Berginnere zu führen und mehr Schutz zu bieten. Denn die Höhle war alt und drohte bei diesen starken Winden einzustürzen. So zerrissen die Clanherren ihre für sie heiligen Banner und banden sich diese als Schutz vor dem Schnee, an die Füße.

Ihr Marsch dauerte Stunden und führte sie nach Nord-Osten, Richtung dem früheren Land der Nemesis. Die Banner waren nass und hatten die Füße eines jeden so sehr verbrannt, dass jeder Schritt der getätigt wurde, von Schmerz erfüllt war. Als sie jedoch die steinerne Treppe erblickten, die in die Felswand hineinging, schien all die Pein aus den Gemütern zu weichen. Hastig erklomm Kain mit seinen Söhnen die Stufen und betrat einen Weg, der direkt an einem gewaltigen Tor aus Eisen endete. Die Zeit war an diesem nicht spurlos vorbeigezogen und erst als sich alle dagegenstemmten, ging es mit einem lauten Knarren auf. Der faulige Geruch des Todes drang sofort heraus, und die Dunkelheit hatte hinter dem Tor, alles in ihrem festen Griff. Nur sehr zögerlich traten die Clanbrüder mit ihrem Meister in eine gewaltige Halle ein, wo massive Pfeiler sich meterhoch vor ihnen auftürmten. Überall standen Ambosse herum, sowie lagen auf dem Boden Zangen und Hammer. An den Wänden befanden sich Brunnen, aus denen in früheren Zeiten flüssiges Eisen hinablief und durch kleine Bahnen im Boden zu den verschiedenen Ambossen floss. Doch der Fluss war durch das Klima schon vor Jahrhunderten erstarrt. Schwache Lichtstrahlen drangen durch Kanäle, die sich an der Decke befanden, in die Halle und tauchten alles in ein starkes Grau.

Die sieben Vampire wanderten lange zwischen den Gebeinen toter Menschen, die oft eng aneinandergekauert lagen, bis sie endlich das Ende dieser Schmiede erreicht hatten. Hier befand sich ein großes Tor aus Stein, welches aufwendig mit alten Runen verziert war.
Doch weder Raziel, noch seine Brüder, konnten diese Runen entziffern, denn sie waren von Kain nie in den alten Schriften Nosgoths unterrichtet worden. Sechshundert Jahre nach Kains Vampirwerdung, und somit ein Jahrhundert nachdem seine Söhne das Zwielicht des Fegefeuers durchstreift hatten, verbot das Kainitische Imperium die alten Runen und führte stattdessen eine eigene Schrift ein, welche aber wiederum nur für den Vampirischen Adel gedacht war und nur von den Clans und deren Dienern beherrscht wurde. Trotz dieser Bemühungen seitens Kains, gab es wenige Menschen, darunter auch Lucius, die die alten Schriften anwenden konnten.
Eine Rasse, die weder schreiben noch lesen konnte, war nicht dazu in der Lage, sich der Vergangenheit bewusst zu werden und somit auch unfähig, ein für die Vampire unheiliges Erbe anzutreten: das Serafanische. Ein Volk ohne Kenntnis, war ein machtloses Volk – und Kain war sich dessen vollkommen bewusst.

Für den Meister aller Clans hingegen, wäre es ein Leichtes gewesen, diese Runen zu lesen, denn er hatte sie als Mensch erlernt. Doch es interessierte ihn nicht, was auf der Tür stand. Er wusste bereits, wo er und seine Söhne sich befanden: nämlich in einer der Serioli Schmieden. Doch sagte er ihnen nichts, weil sie die Legenden nicht kannten, die sich um die Serioli rankten. Kain hatte vieles aus den alten Schriften, während diese in Vampirische Runen übertragen wurden, tilgen lassen, um eine Rebellion der Menschen, angezettelt durch das lächerliche Gefühl der Hoffnung, zu verhindern. Ihr Blut war zu kostbar, um durch sinnlose Kriege verschwendet zu werden.
Und so durchstieß Kain die Doppeltüren und trat mit seinem Gefolge in einen kleinen Saal ein, der kalt und dreckig war. Feine Lichtstrahlen, die auch durch einen Kanal an der Decke kamen, erhellten den Raum und präsentierten den leuchtenden aufgewirbelten Staub.
Sie alle hatten Hunger und der Körper war wie in Agonie. Nur langsam schlossen sich die Wunden, die der Schnee und die Kälte geschlagen hatten. Obwohl Blut das Wichtigste war, um Verletzungen heilen zu lassen, konnte darauf auch eine zeitlang verzichtet und stattdessen durch eine Art Schlaf, längst verloren geglaubte Kräfte geweckt werden. Doch niemals konnte es den Lebenssaft ersetzen.
Raziel nahm langsam (mit einem Ausdruck von Schmerz auf seinem Gesicht) in der rechten Ecke des Raumes platz und legte seinen Kopf auf die Knie. Auch wenn er sich hier nicht sicherer fühlte und jeder Gedanke, der in ihm aufkam, nur den Unknown gewidmet war, so konnte er den Krieg den er gegen seine Müdigkeit führte, nicht gewinnen. Langsam entglitt er in die Schatten, wie auch seine Brüder; nur Kain saß auf einem Thron aus hartem Stein und wachte, denn seine Kräfte waren weitaus mächtiger als die seiner Söhne.
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Alt 03.12.2005, 12:40
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Danke an Vampire G für ihre Korrekturen!

Kapitel 3

Ein leichter Wind zog durch die längliche Halle und ließ die Kerzen aufflackern, die an den Seiten, vor den länglichen Bannern der Stadt Meridian standen, um jene zu erhellen. Der marmorierte Boden spiegelte alles bis ins kleinste Detail wieder.
Nachdenklich saß der König auf seinem durch drei Stufen erhobenen Thron, mit dem Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, und musterte, geplagt von Gedanken, seinen General. Dieser stand stramm und ohne auch nur ein Zeichen von Regung vor ihm. Der Blick seiner eiskalten blauen Augen war bohrend und jeder, der einen Entschluss gefasst hätte, egal wie fest und auch an welchen Prinzipien er festhalten würde, wäre bei diesem unsicher geworden und würde wanken, die Entscheidungen bereuen; vielleicht sogar sich selbst verfluchen, mit der Frage warum er nicht eher die Ratschläge des Generals befolgt hatte. Doch stand der Feldherr schon lange in den Diensten der Herrscher von Meridian, sogar schon als der Vater des Königs regierte, und so war der jetzige König dessen Blick gewöhnt und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen oder gar verunsichern, wie es vielen erging die seine Blicke kreuzten.
Lange hatte sich das Alter beim General nicht sichtbar gemacht, der nun schon über fünfzig Jahre im Dienste der Krone stand, doch in den letzten Wochen erging es ihm immer schlechter. Müde und geplagt war sein Antlitz, wie als hätte er viele Kämpfe ohne Rast bestreiten müssen. Sein Gesicht hatte viele Falten und tiefe Furchen bekommen und es war als würde sein Körper langsam sterben, jedoch sein Geist im Diesseits verweilen. Seine braunen Haare waren zerzaust, einzelne Strähnen hingen ihm im Gesicht, und dunkel waren die Tränensäcke unter seinen Augen.

Dann schließlich, nach einigen Minuten des Schweigens, sprach der König mit einer ruhigen sanften Stimme, mit Absicht gedämpft um Rücksicht walten zu lassen gegenüber seines Dieners: „Ich habe mich schon vor langer Zeit mit Eurem Vorschlag auseinandergesetzt und nun habt Ihr mich gebeten, aufgrund der angeblich drohenden Gefahr, euer einst abgelehntes Anliegen zu überdenken. Eure Sorge um Meridian in Ehren, aber wir werden in keinen offenen Krieg gegen die Vampirarmeen aus dem Norden ziehen und so werden wir die neuen Rüstungen, die ihr mir vorgestellt habt, nicht benötigen. Wie meine Vorfahren, so werde auch ich Streitigkeiten in der Halle meiner Ahnen auf friedliche Art und Weise beilegen und nur zur Waffe greifen, wenn es sich nicht verhindern lässt!“
Die Stimme des Generals klang alt und gebrochen als sich diese erhob „Aber mein König, genau dies wird den Untergang eures Königreichs einläuten. Der Führer der Vampirarmeen wird sich nicht mit euch an einen Tisch setzen, denn Ehre besitzt dieser Sohn einer Hündin nicht. Ziegenstuhl, Provance und Freeport hat er bereits überrannt und Meridian wird die nächste Stadt sein, wenn wir nicht handeln. In den Zeiten eurer Ahnen mag solch ein Unterfangen noch Möglich gewesen sein, denn bedenkt folgendes: die Vampire haben sich noch nie in solchen Mengen unter einem einzigen Banner vereint, weil sie immer zerschlagen wurden von den heiligen Priestern, den Serafanen. Jetzt aber, wo dieser Kain alle unter sich zusammen gerufen hat, ist die Bedrohung größer als je zuvor. Wir müssen handeln!“ Und während er den letzten Satz sprach wurde seine Miene finster, als würde eine ungeheure Wut in ihm aufsteigen und lodern wie tausende Flammen.

Als soeben der König das Wort ergreifen wollte, seinen General belehren und ihm sagen wollte das ihm ein solches Urteil nicht zustünde, stürmte ein Bote den Thronsaal und kniete neben dem Feldherren vor dem Führer der Stadt. Hastig begann er zu erzählen und voller Aufregung und Angst war seine Stimme: „Mein König, ich komme soeben von den Stadtmauern die hinaus zu den Canyons führen. Ein Repräsentant der Händler wartete dort und sagte mir dass die Händler sich weigern die Stadt weiterhin zu beliefern“.
Langsam legte der König seine beiden Hände auf die Lehnen des Throns und erhob sich, den Blick immer noch auf den Boten gerichtet. Sein Gesicht war von Besorgnis erfüllt, jedoch fragte er sachlich und ohne sich etwas in der Stimme anmerken zu lassen „Welche Gründe bringen die Händler vor?“ „Man erzählt sich dunkle Kreaturen würden in den Canyons ihr Unwesen treiben und die Händler einen nach den anderen abschlachten. Sie weigern sich die Canyons zu durchschreiten und wünschen ein Gespräch mit euch, nicht mit den Boten.“ „Wisst ihr etwas über diese Kreaturen, General?“ fragte der König und sein Feldherr antwortete „Nein, mein König. Weder von solch Gerüchten, noch von solch Wesen ist mir bekannt. Doch eines weiß ich: den Händlern sollte man unter keinen Umständen vertrauen. Sie versuchten bereits vor wenigen Monaten die Preise in die Höhe zu treiben, doch da ihnen das nicht gelang, versuchen sie es auf diese Weise. Jeder weiß das Meridian von den Bergketten umringt ist und es fast kein fruchtbares Land gibt; ohne die Waren der Händler kann diese Stadt nicht überleben und dies will dieses Gesindel nun ausnutzen und erfindet solch Wesen um eine Rechtfertigung zu haben, die Preise zu erhöhen. Gebt Ihnen nicht nach!“
„Ja, dass klingt einleuchtend, jedoch“, sprach der König, „ändert dies nichts daran das Meridian ohne die Waren nicht lange überleben wird und wir handeln müssen. Ihr sagt sie wollen ein Gespräch? Jenes sollen sie bekommen. Geht zu den Händlern, Bote, und überbringt ihnen das ich Morgen nach dem Mittag zu Gesprächen bei Ihnen erscheinen werde. Ich gehe davon aus, dass Ihr mich begleiten werdet, General“ „Selbstverständlich“ kam es von seinen Lippen, doch nicht begeistert, denn er hatte nach seiner Meinung besseres zu tun als Schatten in den Bergen nachzujagen.

Und so endeten die Gespräche, nach einer kurzen weiteren Debatte über die neuen Rüstungen, für heute und die Diener sowie der König legten sich schlafen. Die Nacht war ruhig und nur einzelne weiße Wolken, hell beschienen durch den Vollmond am Firmament, zogen vorbei. In der weiten ferne hörte man ein leises Grollen. Dort wurde eine Schlacht geschlagen, deren Lärm an den Bergen widerhallte und somit lauter, als er eigentlich war, nach Meridian drang. Die Menschen, die zu diesen späten Zeiten noch wach waren, begannen sich zu fürchten und versperrten Türen und Fenster. Die Angst über die kommenden Dinge machte sich breit und die Straßen wurden beherrscht von den Gerüchten um Kains Armeen, die in den Mündern immer mehr an Macht gewannen. Denn wenn nur einer von einem Vampir berichtete der in der Stadt gesehen worden sein soll, so konnte man davon ausgehen das wenige Minuten später es hieß, zehn oder zwanzig Vampire seien es gewesen.
Doch nichts desto trotz konnten sich die Menschen nicht ausmalen wie groß der Schrecken noch werde sollte, er da im Norden aufzog.

Der Morgen war begleitet von hellen Sonnenstrahlen und einem fast blauem Himmel. Die Menschen schienen den Lärm in der Nacht vergessen zu haben und erfreuten sich des Lebens. Nachdem der Mittag vorüber gezogen war stand der General bereits auf dem Hof, mitsamt den Pferden und wartete auf den König und die königliche Leibgarde. Umso mehr gepeinigter als gestern sah sein Gesicht aus und die Müdigkeit des Lebens drückte sich ihm auf die Lider, in der Hoffnung den General darunter ersticken zu können.
Und als der König kam und seinen Zustand sah, schickte er ihn in seine Gemächer, denn die Verhandlungen würden auch ohne ihn stattfinden können und in diesem Zustand war er nicht von Nutzen.

So ritt der König mitsamt seiner Leibgarde, die alle silberne Rüstungen mit dem Wappen der Stadt auf der Brust trugen, in die Canyons hinein von denen Meridian fast vollkommen umschlossen war. Die Minuten zogen sich hin wie Stunden während sich über den Köpfen der Reiter, der Himmel langsam mit schwarzen Wolken füllte. War dies ein böses Omen, eine Weissagung der dunklen Momente die nun auf die Reiter warten würden?
Ein Schleier, bestehend aus Nebel, legte sich auf den Boden, aber auch auf die Bergspitzen, von wo aus er sich immer mehr über die Bergketten ausbreitete. Zur Rechten und Linken der Reiter türmten sich die Felswände auf, die wie Stufen aussahen die immer in mehreren Metern Abständen aufgesetzt waren, und ein breiter Weg, stark gewunden, führte dazwischen hindurch. In der ferne konnte man das tiefe grollen von Donner vernehmen; ein Gewitter musste in den Herzen der Berge toben, aber nie würde es Meridian selbst erreichen, denn in den Canyons blieben die Stürme, wenn sie nicht vom Meer kamen, hängen und verregneten sich nach wenigen Stunden. Ein scharfer Wind begann um die Felsen zu wehen und seine alte längst vergessene dunkle Stimme hallte von ihnen wieder und lastete schwer auf den Schultern eines jeden. Die Blicke wurden wachsamer mit jedem Schritt der von den Pferden getätigt wurde und auch nur das kleinste Geräusch reichte schon, dass die blanken Schwerter aus den Scheiden gezogen wurden, bereit sich dem Feind zu stellen.

Nachdem der Ritt schon an die zwei Stunden gedauert hatte, hob auf einmal der König, der den Trupp anführte, seine linke Hand, womit er allen die ihm folgten den Stillstand befahl. Vor ihm stand eine Person, die in einen schwarzen Umhang gehüllt war und die Kapuze so tief in das Gesicht gezogen hatte, dass man nicht mehr als die leichten Konturen des Gesichts sehen konnte.
„König von Meridian, ich heiße euch Willkommen. Euer Bote kündigte euer Kommen bereits Gestern an. Ihr werdet bereits erwartet! Bitte folgt mir“ sprach sie mit einer seltsam verzerrten Stimme. Und so stiegen alle Reiter ab und folgten der Person, die sie durch einen gewundenen Pfad an das Lager der Handelsmänner brachte.
Als sie die letzte Biegung nach rechts nahmen und vor ihnen sich eine etwas breitere Fläche auftat, stockte allen der Atem, denn das was sie sahen war so grausam, dass das Blut in den Adern gefror. Überall lagen die Wagen mitsamt den Waren zerstört herum, die Pferde lagen abgeschlachtet dazwischen und dort, auf dem Boden, in Lachen aus Blut lagen die Händler, mit grausam entstellten Fratzen, die anscheinend aufgeschrieen hatten als der Feind kam. Auch der Bote, der gestern Nacht entsandt worden war, lag unter ihnen. Die Zelte waren niedergebrannt und der Nebel schien zu versuchen alles zu verschlingen. Und der Führer drehte sich zum König und starrte für einen kurzen Moment die Garde an.

Plötzlich durchschnitt ein Schrei die mystische Stille. Er war schrill und ohrenbetäubend, ging durch Mark und Bein und erzeugte eine solch tiefe namenlose Angst, dass jeder am liebsten sofort weggelaufen wäre, egal in welche Richtung, nur weg von diesem Ort. Die Pferde bäumten sich auf, wieherten und entrissen somit den Reitern die Zügel; schnell trabten diese vorwärts, tief in den aufsteigenden Nebel hinein. Dann konnte man nur noch dumpfe Laute vernehmen, jedoch nicht wirklich zuordnen. Was mag dies gewesen sein? Die Pferde, die man vor wenigen Sekunden noch traben hörte, waren verstummt und erneut legte sich das Grauen auf die Männer. Was war hier passiert?
Der König sah die Felswand zu seiner linken hinauf, die in drei Stufen geteilt war, wo er das entdeckte, was lieber in der Dunkelheit hätte verweilen sollen: ein Wesen, dass aussah wie der Schatten selbst der sich erhoben hatte, grausam deformiert und ohne natürliche Form. Mit seinen Krallen kroch es die Wand hinab, wie eine Spinne die sich listig ihrem Opfer näherte, welches ohne es zu wissen in das Netz gegangen war. Hinter den Männern erschienen die gleichen Kreaturen, jedoch glich keines dem anderen; die einen hatten vier Füße, andere sechs oder gar acht und jedes hatte seine eigene deformierte Form, ohne auch nur Aufschluss darüber zu geben woher es kam oder wohin es ging. Und auch wenn man die Augen dieser Monster nicht ausmachen konnte, so spürte man doch ganz deutlich, wie sehr ihre bösen Blicke auf den Männern lasteten, voller Neid, Hass und Zorn.

Als die Blicke zurück zum Führer schweiften passierte etwas eigenartiges: sein ganzer Körper, mitsamt der Kleidung färbte sich schwarz und teilte sich plötzlich in mindestens ein dutzend Fledermäuse, welche zuerst durch die Reihen der plötzlich wild um sich schlagenden Männer flogen, und sich dann schließlich auf den dritten Absatz der Felswand wieder zu der Person formten. Was der König erst jetzt sah, war die zweite Person die anscheinend seit Anbeginn des Spektakels dort oben stand und alles zu beobachten schien. Doch wer es war oder ob er die zweite Gestalt kannte, konnte er nicht sagen. Diese Falle war eindeutig von Anfang an geplant gewesen, genauso wie der Streik der Händler – doch wer wäre in der Lage sich solch einen Plan auszudenken? War es vielleicht Kain? Hatte er die Grenzen der Länder bereits passiert ohne dass die Grenztruppen es bemerkt hatten?
Jetzt war aber nicht die Zeit seine Gedanken so schweifen zu lassen und auch die Kreaturen schienen keine Rücksicht darauf zu nehmen; fauchend waren diese näher gekommen. Jeder einzelne Soldat zog sein blankes Schwert aus der Scheide, bereit sich dem Feind, der endlich eine sichtbare Form angenommen hatte, zu stellen. Das letzte was man von den Soldaten des Königs hörte waren die Schwerter, welche versuchten auf den Feind einzuschlagen, aber stattdessen immer wieder den nackten Stein trafen.

Raziel schreckte hoch, atmete tief aus und ein, während er nur schockiert nach vorne blickte. Kain saß noch immer auf dem Thron aus Stein und genoss die Stille, die bis vorhin andauerte, bevor Raziel angefangen hatte immer lauter im Schlaf zu reden. „Schlecht geträumt? Worum ging es?“ fragte Kain fast spöttisch. Wie gelassen er doch auf seinem Thron saß, als wäre die Bedrohung durch die Unknown so surreal wie nur irgend möglich. Daraufhin begann Raziel zu erzählen, von Meridian, dem General und dem König, so weit er sich noch an jedes Detail erinnern konnte und mit jedem Wort das seine Lippen überkam war Kain noch mehr verwundert, denn die Stadt war schon seit Jahrhunderten nicht mehr auf den Karten Nosgoths verzeichnet. Kurz nachdem der Lord der Sarafanen durch den Soul Reaver gefallen war, hatte Kain, der seine Vampirarmeen neu aufgebaut hatte (kurz vor der Erweckung seiner Söhne), Meridian dem Erdboden gleich gemacht und es aus jedem Schriftstück, egal ob eine einfache Karte oder ein tausendseitiges Buch, tilgen lassen. Zu groß war für ihn die Schande seiner Niederlage, festgehalten in Wort, Schrift und sogar Bildern, als das er die Stadt unversehrt hätte lassen können. Das Erbe der Serafanen und Sarafanen musste unter allen Umständen vor den Menschen dieser Zeit geschützt werden! Jedoch war dies ein unmögliches Unterfangen, denn selbst in den dunkelsten Tagen, bevor die Unknown erschienen und als Kains Imperium noch groß und mächtig war, gab es wenige Menschen die immer noch Wissen um diese alten Priester hatten. Sie hofften, auch wenn es vergebens war, dass jene eines Tages zurückkehren würden und die Menschen vor der Plage durch die Toten retten mögen. Seinen Söhnen hatte Kain nie von Meridian erzählt und selbst jetzt erachtete er es nicht als notwendig, doch Unbehagen bereitete es ihm, dass Raziel durch seine Träume an solch Wissen gelangt war. Hatte irgendwer noch seine Finger im Spiel?

Da erhob sich Kain, dessen gelassener Ausdruck sich in einen ernsten gewandelt hatte, vom Thron und sprach zu seinem Ältesten „Ich werde wohl einem alten Freund einen Besuch abstatten müssen. Dies hätte ich vielleicht schon viel früher tun sollen…“
Noch bevor Raziel irgendetwas sagen konnte, fragen wann Kain gedenke zurückzukommen und ob er ihn nicht begleiten solle, hatte dieser sich bereits in seine Fledermausform verwandelt und war durch den Belüftungsschacht hinaus in die Dunkelheit geflogen.
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Geändert von DarkBorg (24.01.2006 um 12:45 Uhr).
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  #4  
Alt 26.12.2005, 19:18
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Also ich find's schön, dass du mal wieder schreibst Borgi. Schöner Schreibstil, zwar hier und da ein paar kleine Fehler, aber was soll's.

Die Absätze hätte ich teilweise allerdings etwas anders gesetzt, ist aber nur meine persönliche meinung und auch nur rein optischer natur.


Vom Inhalt her find ich's aber auch spannend und auch gut, mal aus einer anderen Perspektive zu erzählen, hier: Melchiah.


Aber nich wieder aufhören, ja?

Das tun die meisten, immer wenn ich grad mit was anfange, geht's nimmer weiter
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  #5  
Alt 29.12.2005, 00:40
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Hey Nixname - freut mich das dir Geschichte gut gefällt

Kapitel 4 ist derzeit in der Mache, nur dauert dieser noch ein klein wenig. Aber ich verspreche einen der Höhepunkte der Geschichte
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  #6  
Alt 10.04.2006, 13:07
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Es ist ewig her seit dem letzten Post (Ich weiß, keine Doppelposts X_X), aber ich kam einfach nicht zum schreiben. Ich hoffe das ich Kapitel 4 bis Ende der Woche reinstellen kann - ist fast fertig
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  #7  
Alt 21.07.2006, 01:29
Gordy77 Gordy77 ist offline
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na das ist aber eine lange woche, was
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  #8  
Alt 30.07.2006, 14:39
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Jop

Ich hab gerade kein Netz... erst next Week, dann wird gepostet.
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  #9  
Alt 23.08.2006, 20:05
Agony_of_fate Agony_of_fate ist offline
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Suuuper Genial!!
Hab selten eine Fanfic gelesen die mich so gefesselt hat!!
Wann lädst du wieder was hoch??Warte schon drauf!!
lg
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  #10  
Alt 27.08.2006, 12:40
BlackShadow BlackShadow ist offline
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Eine wirklich schöne und spannend geschriebene FF !!
Dein Schreibstil gefällt mir sehr gut und auch sie Story ist treffend, da stören auch kleine Tippfehler kaum.
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  #11  
Alt 28.08.2006, 18:21
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DarkBorg DarkBorg ist offline
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Die kleinen Tippfehler sind Absicht um festzustellen ob Ihr auch aufmerksam ließt

Ich will diese Woche endlich die Fortsetzung reinstellen... derzeit hänge ich an einem sehr schweren Dialog und diesen so real wie Möglich rüberzubringen erfordert ne menge Zeit. Das Ihr warten müsst tut Ihr mir Leid...

Ihr seid die ersten die es mitkriegen wenn was neues drin ist

EDIT: Es freut mich sehr das euch diese Geschichte so gut gefällt
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Geändert von DarkBorg (28.08.2006 um 18:45 Uhr).
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  #12  
Alt 28.08.2006, 19:24
Agony_of_fate Agony_of_fate ist offline
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*freu*
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  #13  
Alt 05.09.2006, 10:57
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So, Kapitel vier ist fertig - ich sende es noch zur Korrektur und dann poste ichs hier rein
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  #14  
Alt 07.09.2006, 21:39
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So, es kam soeben aus der Korrektur. Viel Spaß beim Lesen

P.S.: Vielen Dank an Vampire G für die Korrektur

Kapitel 4

Der süße holzige Geruch von verbrannter Tanne und Kiefer, der beißende schmerzende Dampf in den höheren Sphären der Luft und der grün-schwarz gefärbte Himmel. Dies waren jene Funken der Augenblicke die immer wieder kurz im Gedächtnis aufflackerten als Kain die Gestalt der Fledermäuse hinter sich ließ und seine wahre Form annahm. Jedoch - vielleicht war im Vergleich zu diesem Ort seine Welt dort draußen, die die er neu geschaffen hatte, ein kleines Stück vom Paradies - selbst für die Menschen. Denn in diesen gewundenen Gängen, die endlos in die tiefen der Erde zu führen schienen, lastete einem die Dunkelheit schwer auf den Schultern, wie als trüge man plötzlich die Bürde der gesamten Welt selbst auf seinen Schultern. Und wahrlich, es war eine schwere Bürde in diesen Dunklen Zeiten für die Menschen. Der Fähigkeit zum trotz selbst in der tiefsten Nacht sehen zu können türmte sich die Schwärze wie ein Mauerwerk vor ihm auf. Die Luft war geprägt von der Zeit selbst, staubig, stickig und so schwer das man meinte jeder Schritt würde eine Ewigkeit dauern und einem mehr vom Ziel entfernen als näher bringen.

Eigentlich waren es nur wenige Meter, doch eine Ewigkeit für Kains Empfinden, bis er zu einem großen Doppeltor kam. Ungewöhnlich behutsam legte er seine rechte Klaue auf die eine Seite der Tür und sofort quoll dieses nostalgische Gefühl in ihm hoch, das Gefühl einen Raum mit soviel mehr Weisheit als zuvor zu betreten zurückzuführen auf die Neuordnung der einstig naiven Sichtweisen von Raum und Zeit. Kain war sich nie ganz sicher gewesen was dieser Raum eigentlich bewirkte, aber zum ersten mal seit Entdeckung dieses Ortes hatte er das Gefühl die Essenz vollkommen erfassen zu können und welch mächtiges Werkzeug ihm dort in die Hände gegeben wurde. Dieser Platz verkörperte schlichtweg die Zeit an sich; welch monomentale Bedeutung dies doch war, selbst für Kain. Denn keins seiner Bauten vermochte es jemals eine solche gewaltige Darstellung zu erzeugen. Dies war der Ort wo eines jeden Schicksals in dem Teppich der Zeit verwoben wurde. Ein Ort der für jeden Wendepunkt der Geschichte stand, vom Fall von William dem Gerechten bis hin zu seinem Aufstieg an die Macht. Hier passierte es einst dass Möbius, der Verräter und Intrigant, ihm sein Schicksal offerierte und ihn auf einen Pfad führte dem er bis heute unweigerlich folgen musste. Und so wurde sich Kain einmal mehr gewahr das es nur eine Chance gab die letzten Überreste des Imperiums zu retten; indem er den Mann aufsuchte der seit Anbeginn nur seinen Tot sehen wollte. Mit diesem Wissen stieß er das Tor auf, wodurch der dicke Staub aufgewirbelt wurde, und betrat den Chronoplast.

Als einst die großen Kriege endeten und Kain es geschafft hatte den Menschen seine Herrschaft endgültig aufzuzwingen begann er die Höhlen des Orakels zu untersuchen; alleine das Wissen um die Gerissenheit des alten Mannes ließen hier mehr vermuten als nur eine abgebrannte Feuerstelle. Darum fand er einst diesen Platz, konnte seine Funktion jedoch nur deuten. Wenn dies hier das war wofür er es hielt verlieh es dem Symbol als Ganzes noch mehr Bedeutung als es das ohnehin schon tat. Sein Verständnis die Zeit betreffend war sehr wage. Möbius hatte einst behauptet die Zeit sei wie ein Fluss und könne durch nichts in seinem Gleichgewicht gestört werden. Jeder Stein der dort hinein fiel würde umspült werden als sei jener nicht vorhanden. Alleine dieser Gedanken machte Kain rasend. Die Vorstellung sein Imperium wäre nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals zur vollen Blüte erstrahlt und nicht durch ihn war grotesk. War es denn überhaupt nicht möglich die Zeit zu verändern? Wenn schon, wieso hatte Möbius nie diesen Ort benutzt um seinem Tod durch ihn zu entrinnen?
Dies waren die Fragen die er sich selbst stellte als er die Zeiger in die richtige Position brachte. Als es geschehen war setzte sich die Kugel an der Decke mit einem tiefen Grollen in Bewegung und ein Blitz traf das Zeichen der Unendlichkeit am höchsten Sockel. War der Durchgang der sich gebildet hatte wirklich ein Pfad zurück in die Vergangenheit, zurück zu Möbius? Kain würde es gleich herausfinden.

Schnell legte sich der grün-gelb-braune Dunst und ermöglichte Kain die Sicht auf eine kreisrunde kleine Halle in dessen Boden Zahnräder eingefasst waren. „Sieh an“ ertönte eine kratzige Stimme plötzlich hinter Ihm „wen haben wir denn hier? Der dunkle Imperator persönlich. Welch eine Ehre in meinen kläglichen Hallen. Und nun geh, Du weißt ja jetzt wofür der Chronoplast da ist; Du hast keinen Grund mehr hier länger zu verweilen!“
Kain drehte sich schlagartig um und erblickte das Gesicht welches schon vor geraumer Zeit angefangen hatte in seinem Geist und seinen Gedanken zu verblassen. Die tiefen Falten und Furchen in dem Gesicht, geschlagen von der Zeit selbst, die grauen müden Augen und das wohl markanteste Zeichen aller: das Zeichen der Unendlichkeit auf der Stirn. In der Tat, es war Möbius, doch viel schwächer und kläglicher als er ihn in Erinnerung hatte und weniger mächtig als das Bild welches er sich immer vor Augen geführt hatte wenn er über ihn nachdachte. Nicht mehr als ein alter gebrochener Mann der sich auf seinen Stab stützte um nicht den Halt zu verlieren.

„Du wusstest genau um mein Kommen, alter Mann. Den Fehler Dich zu unterschätzen mache ich kein zweites mal. Du magst zwar hier erscheinen wie ein Greis der kurz vor seinem Tod steht, doch selbst jetzt bist Du mächtiger als jeder andere. Wer weiß, vielleicht sogar mächtiger als Mortanius. Und selbst jetzt weißt Du weswegen ich hier bin.“ „Natürlich weiß ich das. Die Antworten die Du suchst sind gar nicht so weit von Dir entfernt, doch momentan macht Dir mehr Raziels Traum zu schaffen, nicht wahr? Wie kann einer Deiner Söhne etwas von einer Stadt wissen die Du schon lange vor seiner Zeit vernichtest hast? Ganz zu schweigen von den Unknown die Dein Imperium in wenigen Wochen zu Staub zerfallen ließen. Was nützen Dir die Abbildungen Deiner selbst noch oder die prunkvollen Gebäude? Ich hatte mich damit abgefunden das die Zeit wollte das Du der Herr von Nosgoth wirst, jedoch halte ich diese übertriebene Selbstdarstellung Deiner selbst sogar für Dich zu unwürdig. Denn sieh wohin es Dich gebracht hat: an die Türschwelle eines alten Mannes der in wenigen Stunden sterben wird. Ist dies nicht die Ironie die Du so sehr vergötterst, Herr einer degenerierten Rasse? Was macht Dich überhaupt so sicher das ich Dir helfen werde?“ „Weil ich Dir gar keine andere Wahl lassen werde alter Freund. Das einzige was Du willst ist mich betteln sehen, betteln nach einem Brotkrumen an Informationen. Doch diesen Gefallen werde ich Dir nicht tun“
Hämisch lachte Möbius über die Worte „Selbstverständlich. Nenne mir auch nur ein Wesen in der gesamten Geschichte Nosgoths welches die Ehre hatte den großen Kain auf Knien zu sehen! Selbst der Lord der Sarafanen hatte dieses‚ Vergnügen‘ nicht obwohl er Dich im Kampf haushoch besiegte.“ Kaum hatte diese Worte Möbius’ den Mund verlassen fletschte Kain seine Zähne, doch Möbius achtete nicht auf die Gesten des Vampirs, er blickte fassungslos zu Boden als er seine Worte beendete „Ja, diese Wunde ist bis heute nicht verheilt. Jedem konntest Du das Vergessen der alten Zeiten lehren. Selbst Deinen Söhnen, die dem Orden einst angehörten, hast Du es vorenthalten. Der jetzige demütige Kreuzzeug meiner Söldner, dass Erbe das wir dadurch hinterlassen, wird nie von irgendjemanden angetreten werden - niemand in Deiner Zeit bis auf wenige wissen davon.“ In diesem Moment nahmen Möbius Gesichtszüge wieder ernsthafte Formen an und setzte er mit seinen Sätzen zu einem großen Stich an um Kain ein letztes Mal zu provozieren „Jedoch in einem Punkt kannst Du Dir sicher sein: ich werde nie vergessen wer Dich besiegte. Wie eine jämmerliche Made hast du dich im vom Blut deiner Diener getränkten Schlamm gewunden und warst allein der Gnade des Lords ausgeliefert. Welch ein Anblick es doch war Dich so zu sehen, Kain. Einfach köstlich!“

Das Funkeln in den Augen des Zeitstromlenkers bewies dass sein Stich gesessen hatte; schnell zog Kain den Soul Reaver und presste ihn an den Hals des Manipulators "Nenne mir einen Grund warum ich Dich am Leben lassen sollte" Möbius, begleitet von einem Grinsen auf seinen Lippen, antwortete "Weil Du mich brauchst; die einfachste und doch treffendste Antwort auf diese Fangfrage. Ohne mich findest Du nie die Antworten die Du suchst und das weißt Du genauso gut wie ich. Zudem sterbe ich in wenigen Stunden sowieso, mach Dir doch die Hände nicht so schmutzig; das ist eines Imperator unwürdig.“

Möbius drehte sich ab. Es schien ihn nicht zu interessieren dass er Kain somit seinen wehrlosen Rücken präsentierte, doch vielleicht forderte er es geradezu heraus. „Dein Erzfeind ist zurückgekehrt, aber nicht in derselben Form wie einst als du ihn das letzte Mal gesehen hast.“ „Mein Erzfeind?!“ „Du hast keine Vorstellung davon welchen Hass und Zorn du in den Katakomben von Avernus herauf beschworen hast. In deiner Arroganz hast du eine Wut geweckt die sehr viel älter ist als deine Existenz von gerade mal 2000 Jahren. Jeder riecht den fauligen Atem deines langsam zerfallenden Imperiums. Hast du dir jemals die Frage gestellt warum in den letzten Jahrhunderten so viele versuchten dir die Herrschaft um das Land streitig zu machen? Wahrlich, du hast ein Imperium erschaffen welches nun verrottet. Denkst du jetzt nicht auch es wäre ein weitaus weiserer Entschluss gewesen den Tod zu wählen anstatt den jämmerlichen Versuch zu starten ein Imperium unter deiner Herrschaft zu etablieren? Du hast dich in einer Sicherheit gewogen die es nie gab. Der Feind sitzt schon lange in deinen eignen Reihen, Kain. Und das Erbe der Sarafanen ist mit ihm. Doch du bist blind geworden, trunken von der Macht und der Hurerei. Aber eigentlich hat das im Moment keine Bedeutung.“ Noch bevor Kain irgendetwas erwidern konnte setzte Möbius wieder an: „Dein Feind hat seine Wurzeln tief in der Vergangenheit dieses Landes. Von diesem Punkt der Zeit aus gesehen befindet sich der Augenblick seines ersten Erscheinens in der Zukunft. Jedoch von Dir aus gesehen in der Vergangenheit. Du musst zurück nach Meridian, ein Tag bevor Deine Niederlage stattfindet.“ „Und was soll ich deiner Meinung nach dort tun? Doch passender wäre die Frage wohin ich überhaupt gehen sollte“ „Folge einfach den Visionen deines Ältesten, er wird dich führen. Und jetzt geh, lasse einen alten Mann in Frieden seine letzten Stunden verbringen mit dem Wissen das Du mit ihm untergehst.“

Kain hingegen war lange noch nicht zufrieden mit den Antworten die ihm Möbius so chiffriert gegeben hatte. „Wie kann ich die Unknown bezwingen? Und wer ist der Verräter von dem du geredet hast. Wenn er in meinen eignen Reihen sitzt muss es ein Vampir sein. Welcher Clan, Möbius?“. Doch der Greis antwortete nicht und schritt einfach voran, Kain ignorierend. Das entflammte die Wut des Imperators noch mehr, mehr als diese es ohnehin schon war. Schnell folgte er Möbius und kurz bevor er dessen Schulter packen wollte um jenen mit seiner Klinge zu bedrohen, erhob dieser seinen Stab. Für einen kurzen Moment schmerzte Kains Brust wie als wäre sein Herz dem Höllenfeuer selbst ausgesetzt. Dieser stechende Schmerz ließ ihn zusammen sacken, der Soul Reaver fiel klirrend auf den Boden und Kain musste sich mit seinem rechten Arm auf dem Boden abstützten.
Möbius wollte einfach weitergehen, doch da folgte ein letzter Aufruf des schwer atmenden Vampirs „Möbius, du hast die Gabe die Zukunft zu sehen; eines jeden Pfad kannst Du sehen. So sage mir den meinen. Was hast Du gesehen?!“

„Ich weiß nicht wie, aber ich habe Deinen Tod gesehen - sei gewarnt, Du wirst mit Deinem Imperium untergehen und die Clans werden Dir folgen.“
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Geändert von DarkBorg (08.09.2006 um 11:44 Uhr).
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  #15  
Alt 08.09.2006, 16:04
Agony_of_fate Agony_of_fate ist offline
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Ohhhhhh...Ich will meeeeehr!!!!!Q_Q
Echt super geschrieben!!!!
Ich hoffe auf baldige fortsetzung!!!^^
Weiterschreiben *fänchenschwing*!!!!xD
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  #16  
Alt 25.05.2008, 13:28
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Nach langer Zeit geht es weiter. Ein fettes Danke an Vampire-G für die Korrekturen!

Kapitel 5

Es schien für Kain eine Ewigkeit als der Schleier der Finsternis sich lichtete. War er womöglich einmal mehr aus der Unterwelt empor gestiegen und hatte dem Schicksal die Stirn geboten? Er verspürte einen Schmerz der keinem anderen glich. Mächtiger als jeder Schwertstreich der je gegen ihn geführt worden war und kraftvoller als die grossen Feuer von Dark Eden oder Avernus die von jedwedem Lebewesen nicht mehr übrig liessen als einen wertlosen Klumpen verbrannten Fleischs.
Wenn Möbius diesen Stab immer bei sich trug, so verstand nun Kain, war es nicht verwunderlich das sogar Vorador, der mächtigste Vampir seiner Zeit, getötet werden konnte wie jeder andere seiner Rasse. Das plumpe Instrument in den Händen eines alten Mannes, der sich sogar darauf stützen musste, war in der Lage das mächtigste Volk der Welt in die Knie zu zwingen. Welch eine Ironie.

Als sich der Imperator langsam erhob umschloss seine Klaue den Soul Reaver noch fester. Eine Flut von Gedanken durchfuhr ihn und ihm wurde gewahr das der Zeitstromlenker womöglich mehr Informationen preisgegeben hatte als Kain im ersten Moment gedacht hatte. Avernus stand immer noch in seiner Zeit, wenn auch zu einer dunklen Ruine zerfallen; Heimstätte für Ratten und Ungeziefer aller Art. War dies die Quelle von jener aus die Unknown in das Land strömten wie die Pest die einst Coorhagen fest im Griff hatte? Hatte er dort ein schlafendes Böse aufgeschreckt oder war wirklich sein so genannter Erzfeind von den Toten zurückgekehrt?
Kain stand vor einer fast erdrückenden Entscheidung. Sollte er dem Pfad, den Möbius ihm aufgezeigt hatte, folgen oder zurückkehren in seine Zeit und einen womöglich aussichtslosen Kampf gegen diese diabolischen Kreaturen führen? Jedoch war soviel klar: er durfte keine Zeit verschwenden.

Und mit neuem Wissen bewaffnet betätigte er die Vorrichtung des Gerätes und verschwand in einem grün-gelben Dunst in eine andere Zeit.
Hätte Kain einen Beweis gebraucht das er in der Zeit 200 Jahre vorwärts gereist war, so reichte ihm der Anblick der sich ihm bot als der Nebel verschwand. Die Festung der Söldner war zerfallen. Als er die Kammer verließ erblickte er verblasste Gemälde und abgebrannte Kerzen, die sich um ein Becken herum befanden. Das zerfallene Dach erlaubte die Sicht auf den stürmischen Himmel wo sich Blitz und Donner zusammen brauten. Skelette, von längst verstorbenen Menschen, lagen im Eck mit Schwertern in den Händen. Dies war der Beginn seines dunklen Zeitalters gewesen. Doch der Herr der Vampire hatte nicht die Zeit in Erinnerungen zu schwelgen, die Zeit drängte. So flog er tief in die Bergkette hinein um die Canyons um Meridian herum am schnellsten zu erreichen.

Nach schier unendlichen Minuten erreichte Kain endlich den Berg der jenem glich den sein Sohn Raziel im Traum gesehen hatte. Er manifestierte sich auf dem obersten Sockel, welcher Flach war, und blickte hinab in die Schlucht. Dort standen sie, die Armeen des Königs, und kämpften gegen einen Feind der unbezwingbar zu sein schien. Doch jemand anderes war auch anwesend. Genau unter ihm, ein Stufe tiefer, standen zwei Personen. Die eine war unter einem langen schwarzen Mantel verborgen der nicht zuließ das man erkannte was sich darunter befand. Die andere Person war ein großer Mann. Er trug eine goldene Rüstung mit einem dunklen Mantel und sein schulterlanges braunes Haar war strähnig und zerzaust. Als er sich umdrehte konnte man seine müden grauen Augen sehen, die von tiefer Last geplagten Lider und seinen fast komplett ergrauten Spitzbart. „Euer Plan scheint funktioniert zu haben, mein Lord“ sprach die vermummte Person. „Noch nicht“ sagte der Mann in der Rüstung „Es ist erst vorbei wenn..“. Schmerzen packten ihn, er griff sich mit seiner rechten Hand verkrampft an die Stelle wo sein Herz pochte. Sofort schnellte die andere Person herum, wollte dem Zusammenbrechenden Stütze geben, doch stieß er sie mit letzter Kraft weg und sprach dunkel „Fass mich nicht an!“. Er atmete tief ein und schien die Schmerzen dadurch verdrängen zu können indem er sich wieder aufrichtete. „Sorge dafür das niemand überlebt!“ sprach er erschöpft, aber bestimmend „Ich wünsche keine Zwischenfälle mehr. Und als erstes solltest du dich unserem heimlichen Beobachter annehmen.“. Und kaum hatten sich ihre Blicke getroffen war der Mann verschwunden.

Der dunkle Begleiter stellte sich sofort dem Vampir mit je einem Schwert in der Hand gegenüber, denn mit Leichtigkeit hatte er den Höhenunterschied überwunden der sie beide trennte. Und auch wenn Kain bereits den Soul Reaver gezogen hatte, so war er doch nicht aus der Ruhe gebracht worden. Er atmete einmal tief ein und der unverwechselbare Duft einer Frau stieg ihm in die Nase. Sein Gesicht wurde ernster als er zu ihr rief „Verschwinde Weibsstück, du bist keine Herausforderung für mich!“.
Die Worte erzürnten sie maßlos – er wagte es sie zu hinterfragen. Sofort stürmte sie auf ihn zu, das rechte Schwert schnellte hinab, doch Kain war flink. Er wich nach links aus und so prallte das Schwert auf nackten Stein. Augenblicklich fuhr sie herum, den linken Arm und somit das Schwert auch angespannt um ihn zu verletzten. Er blockte mit dem Reaver, doch sie war hartnäckig und äusserst agil. Der nächste Schwerthieb folgte sofort und Kain sah keine andere Möglichkeit als nach hinten zurück zu weichen. Er hatte keine Chance selbst einen Angriff zu starten, die Attacken der zwei Schwerter folgten einfach zu schnell aufeinander. Doch dann verkeilten sich der Reaver und eines ihrer Schwerter und für einen kurzen Moment mussten beide die ihre höchstmögliche Kraft aufbieten. Dies war die entscheidende Sekunde, der Augenblick der über Sieg oder Niederlage bestimmten würde.

In diesem Moment frischte der Wind plötzlich auf - und wie es der Zufall so wollte wehte er Kains Banner hoch. Als die dunkle Gestalt das weisse Zeichen auf rotem Stoff erblickte hörte sie sofort auf Druck auf die Klinge auszuüben. Als sich schliesslich die Verkeilung löste wich sie einen Schritt zurück, jedoch nicht aus Angst wie sich deutlich abzeichnete. Sie sprach mit klarer deutlicher Stimme „Meinen Meister wird es freuen das ihr bereits die Grenzen dieses Landes passiert habt. Leider ist mir die Freude vergönnt euch euer untotes Herz aus dem Leib zu reissen. Aber seid euch eines sicher, Sohn einer räudigen Hündin – das Mausoleum wartet bereits auf euch!“. Kaum waren die Worte ausgesprochen verwandelte sie sich in dutzende Fledermäuse und flog hinfort, tief in die schwarze Nacht hinein. Doch Kain war nicht so töricht ihr sofort zu folgen. Er wusste sie würde es merken und so verweilte er noch kurz an diesem Ort.

Es war still geworden. Kein Klirren der vielen Schwerter oder Schreie der Männer war mehr zu vernehmen. Nur ein einzelner Mann stand noch unter den vielen Toten auf den Beinen. Seine weisse Kleidung, mit dem königlichem Emblem darauf, war übersät von dem Blut seiner Kameraden, aber auch seinem eignen. Er versuchte zu fliehen, rannte von einer Richtung in die andere. Doch immer wieder schnitten ihm die Unknown den Weg ab. Die schrillen Töne dieser Kreaturen trieben ihn in den schieren Wahnsinn, er hatte das Gefühl als könnte er es nicht mehr lange ertragen. Es fühlte sich so an als drohe der Kopf jede Sekunde zu platzen.
Als sie ihn eingekreist hatten begann er sein Schwert noch fester zu umgreifen, er würde nicht kampflos aufgeben. Aber es war Hoffnungslos. Sie kamen immer näher und er spürte bereits ihre kalten Hände nicht nur am Körper sondern auch in der Seele. Wie Klamm ihm doch wurde als er von Blut überströmt zusammensackte. Tränen standen ihm in den Augen, unsäglicher Schmerz durchfuhr ihn bei jeder Berührung dieser Wesen. Das letzte das man vernehmen konnte, bevor er endgültig in den Schatten versank, war ein lang gezogener qualvoller Schrei.

Kain, der dies Schauspiel beobachtet hatte, wandte sich ab. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht, weder Mitleid noch Freude. Seine Gedanken kreisten um die Frau gegen die er vor wenigen Minuten noch gekämpft hatte. Sie besaß jetzt genug Vorsprung so das sie ihn sicher nicht bemerken würde sollte er ihr folgen. Doch riskieren wollte er keinesfalls etwas und somit wählte er eine andere Form um die Verfolgung aufzunehmen: die des Wolfes.
Schnell wie der Wind lief er, durch die Felsspalten und darüber hinweg und immer weiter rückten die Lichter der Stadt Meridian heran. Weit in der Ferne konnte er den Schwarm Fledermäuse sehen. Er hatte also genau den richtigen Zeitpunkt zum Aufbruch gewählt. Während die Berghänge immer schneller an ihm vorbei brausten brachen langsam der Mond und die Sterne durch die dicke Wolkendecke und offenbarten im Schein das Ziel: die Festung der Sarafanen. Doch anders sah sie aus als er diese in Erinnerung hatte. Keine prunkvollen Banner mit dem Sarafanischen Insignia darauf, keine Wachen die stolz und erhobenen Hauptes jenes Zeichen trugen das er so sehr verabscheute. Aber auch die Landschaft würde ihre Form noch stark verändern.

Da vor dem Eingang niemand stand und auch in Sichtweite kein anderes Lebenwesen zu erblicken war gab er seine Form als Wolf auf. Für einen kurzen Moment überlegte Kain was als nächstes zu tun wäre. In die Festung einzudringen sollte kein Problem sein, aber wie dort verweilen ohne aufzufallen? Die Form als Nebel bot eine perfekte Tarnung, keiner dieser jämmerlichen Sterblichen würde ihn so erkennen, aber womöglich die Vampirin. Und doch, eine andere Möglichkeit schien es nicht zu geben.
So glitt er durch die Spalten der Tür hindurch und sah eine große lange Halle. Erinnerungen überkamen ihn, gemischt mit Abscheu und Verachtung. Hier würden in nicht all zu ferner Zukunft Bilder seiner Niederlage diesen Raum schmücken. Und auch sie war hier; er konnte hören wie sie auf die Wachen einredete. Die Rüstungen, die sie trugen, waren ihm vertraut – Glyphen. In seinem Imperium wurde der Gebrauch dieser Magie mit dem Tod geahndet, auch wenn niemand wusste was sich dahinter verbarg.

„Es ist wichtig das ich den General jetzt sehe!“ sagte die Vampirin mit lauterem Tonfall, doch die Wache entgegnete „Der Lord sagte er wünsche keine Störung! Mein Kopf wird rollen wenn ich euch passieren lasse.“. Verärgert sprach sie daraufhin „Wenn ihr mich nicht zu ihm lasst wird er es auch tun.“. Bedrohlich hatte sie ihre Hand bereits am Schwert und die Wache schien zu wissen das mit dieser Person nicht zu spaßen war. Schliesslich trat er beiseite und Kain wusste das er ihr unbedingt folgen musste wenn er mehr über all dies erfahren wollte. Eines war ihm jedoch jetzt schon bewusst: hier schienen die Puppenspieler die Feinde zu sein die seine dunkle Zukunft geschmiedet hatten.
Sie gingen eine Treppe hinauf und nach einigen gewundenen Gängen betraten beide einen gewaltigen Thronsaal mit den königlichen Bannern an den Wänden und einem Boden aus Marmor, der alles spiegelte. Kerzenlicht erhellte den Raum schwach und ein leichter Wind zog durch die Hallen. Und da saß er, der Mann mit der goldenen Rüstung, mit beiden Armen auf den Lehnen und grimmigem Blick als sei er der Wächter der Hölle persönlich. Die Vampirin ging bis kurz vor den Thron und kniete dann nieder. Für Kain sah es aus wie eine getretene Hündin die voller Demut zum Herren zurückkehrt.

Mit den Worten „Mein Lord“ begann sie, wurde jedoch jäh unterbrochen von dem General „Sagte ich der Wache nicht das ich keine Störung wünsche?“ „Verzeiht mir, mein Lord, aber es ist wichtig“ „Was kann so wichtig sein das ihr meinen Befehlen zuwider handelt?“ „Mein Herr, der Eindringling in den Canyons, der alles beobachtete, war niemand anderes als Kain persönlich. Ich bekämpfte ihn, als ich aber seine Identität erkannte empfand ich es als wichtiger euch dies zu berichten.“. Für einen kurzen Moment sah man den Schatten der Besorgnis über sein Gesicht gleiten und leise murmelnd sprach er „Das kann nicht sein, ist denn die Stunde der Entscheidung schon so nah?“. Zwei Männer betraten den Saal und Kain, der sich in die linke Ecke des Raumes zurück gezogen hatte um alles in Ruhe beobachten zu können, erkannte sie auf Anhieb: Glyphenmacher, Hylden. Der General blickte sofort auf „Geh zu den Schatten die du beschworen hast, ich werde dich rufen lassen wenn ich dich brauche!“. So erhob sich die Vampirin, wenn auch widerwillig, denn sie wollte nicht von der Seite ihres Meisters weichen, verneigte sich ein letztes Mal und verließ den Raum. Sie hatte Kain in keinem Augenblick gemerkt und ihre Abwesenheit war für ihn das Beste was ihm je hätte passieren können.

Die beiden Männern standen dicht vor dem Thron und als der General sich versuchte zu erheben packte ihn erneut der Schmerz seines Herzens. Er sackte in den Stuhl zurück, doch er kehrte seine rechte Hand abweisend nach aussen. „Mein Lord Hash`ak`gik...“ sprach einer der Schwarzen Männer sofort, doch dieser entgegnete nur geschwächt „Meine Brüder... die Zeit ist knapp. In wenigen Stunden wird dieser Körper hier sterben, doch ich brauche ihn noch um meinen Plan zu vollenden. Jetzt zu wechseln wäre sehr unklug. Doch sagt mir, was ist mit dem Mechanismus?“ „Die Landschaft hat sich seit unserer Verbannung stark verändert“ sprach der gleiche Mann „aber inzwischen konnten wir ihn ausmachen. Direkt unter der Nase des Adels!“ „Sehr gut“ sagte der General „der Gefangene wird von Tag zu Tag stärker. Bald werden die Ketten der Stadt Hylden ihn nicht mehr halten können. Er muss so schnell es geht zur Masse gebracht werden. Sie wird ihm seine Macht nehmen! Aber, meine Brüder, beeilt euch, denn die Zeit drängt. Der Erbe des Gleichgewichts naht, die prophezeite Stunde ist fast erreicht! Und doch – wir werden gewinnen. Wir brauchen den Prophezeiten nicht, es war besser diesen Ghul zu töten als er mir gegenüber stand.“ Schweigend standen die Männer vor ihm „Ich brauche nun meine Ruhe, Brüder. Ich muss diesen Körper schonen und darf seine Kräfte nicht leichtfertig aufbrauchen. Rüstet die letzten Männer noch mit den Glyphen-Rüstungen aus. Und sagt ihnen das ich gleich am Morgen eine Rede halten werde.“.
So verliessen auch die Männer den Thronsaal und nur Kain blieb noch zurück mit dem schockierenden Wissen Hash`ak`gik nie wirklich besiegt zu haben.

Der Morgen graute schneller herauf als erwartet und schon bevor der erste Hahn krähte fanden sich tausende Soldaten vor der Festung ein, allesamt mit neuen Rüstungen die das Sarafanische Insignia trugen. Aber auch die einfachen Männer, Frauen und Kinder waren anwesend um den Worten des Feldherren zu lauschen. Auf einem Podest erhoben stand der General und musterte alle genau. Die Glyphenmacher waren auch anwesend und standen je zu seiner rechten und linken. Aber auch Kain hatte in einem dunklen Eck seinen Platz gefunden. Die wenigen Stunden der Nacht hatte er im Kerker verbracht, dort wo sowieso keine Seele freiwillig hingehen würde, und sich ausgeruht, denn die Form des Nebels zu bewahren war anstrengend und auslaugend.
Als nach wenigen Minuten Ruhe eingekehrt war erhob der General seine Stimme. Er nahm all seine letzte verbleibende Kraft zusammen, unabhängig davon ob er somit den Körper zum vorzeitigen Tod verdammen würde oder nicht „Meine Kameraden, Freunde, meine Brüder im Geiste! Ein Schatten, der droht unsere Frauen und Kinder zu verschlingen, unser Vieh abzuschlachten und unsere Häuser zu verbrennen, steht vor unseren Toren. Die Feuer von Freeport und Provance sind in der Nacht bis hierher zu sehen. Und an diesen Orten wehen nun die Flaggen des Todes, das Zeichen des Kains. Und der König, was wollte er tun im Angesicht des sicheren Untergangs? Verhandeln anstatt zu kämpfen, sich knechten lassen anstatt die Bedrohung niederzuschlagen! Ein Leben als Sklave führen! Und uns wollte er mit sich reißen!“. Ein Aufschrei ging durch die Menge, geprägt von Entsetzen „Mir wurde untersagt die Armeen zu mobilisieren, mir wurde Verboten, die Soldaten für die ich Sorge trage, mit den bestmöglichen Rüstungen auszustatten und mir wurde gesagt alles würde sich zum Guten wenden. Doch, meine Brüder und Freunde – wir wurden betrogen, wir alle! Auch ich, der nur das beste für Meridian wollte!“ Fragend blickte die Menge hinauf zum General mit einer Vorahnung was er gleich wohl sagen möge „Der König ist geflohen, sein Pferd und seine besten Männer fort. Unser König hat uns im Stich gelassen, jetzt wo wir ihn am meisten bräuchten. Eine Schande ist es nun geworden den Namen der königlichen Armee zu tragen. Er wollte uns die Hände binden, uns an seinen Wahn fesseln, doch ich sage: nicht mehr! Lasst uns die Fesseln sprengen und uns erheben unter einem neuem Banner, dem Banner der Rechtschaffenheit und Freiheit!“ In diesem Moment wurden neue Banner entrollt, prunkvoller als die des Königs und wunderschön anzusehen mit dem Insignien der Sarafanen. Voller Staunen und Neugierde betrachteten die Menschen jene während die Soldaten bereits anfingen zu jubeln und voller Begeisterung zu grölen „Ab heute sollen wir nicht mehr den Namen der Schande tragen, sondern einen der Heiligkeit. Von heute bis in alle Zeit löse ich das Königreich Meridian auf. Kein Königsblut soll mehr dieses Land regieren, denn ich will euch führen in eine Zukunft ohne Angst! Morgen werden wir den Schatten zerschmettern. Morgen wird uns alle Welt als die Sarafanen preisen, die Befreier!“

Und die Soldaten, Männer, Frauen und Kinder riefen alle, voller Begeisterung und Staunen immer wieder einen Namen „Sarafan!“. Der General hatte es geschafft die Menge auf seine Seite zu ziehen, doch für einen hohen Preis. Er spürte wie die Lebensenergie ihn verließ. Jetzt musste er schnell handeln und seinen ursprünglichen Körper beziehen bevor es zu spät war und die Seele im Äther verloren gehen würde. Doch kaum war er im Thronsaal angelangt passierte etwas unerwartetes. Dort, am seinem neuen Thron, stand der König von Meridian mit vier Soldaten. Seine Kleidung war schmutzig und von Kampf und Blut gekennzeichnet und in seiner rechten Hand hielt er etwas das der General (und auch Kain, der ihm unbemerkt gefolgt war) sofort erkannte: den Nexus Stein.
„Eine großartige Rede auf meinen Namen, General. Nicht viele hätten es besser hinbekommen. Aber sagt mir: wie lange plant ihr dies schon? Ich bin mir sicher die toten Händler, den Aufstand den es nie gab, all dies gehört auch zu euren Taten.“ Zu schwach war Lord Sarafan als dass er prompt hätte antworten können, er schwieg „Nun gut. Wachen, ergreift ihn. General, hiermit entbinde ich euch von euren Pflichten. Meridian wird nie euer sein.“.
Da lachte der General mit letzter Kraft auf und sprach „Meridian ist schon lange mein. Das war es schon bevor eure Vorfahren auf dieser Erde wandelten. Soldaten, seht euch um. Dort steht er, der König der euch verriet“. Und sie blieben stehen als ihre Rüstungen aufleuchteten und Wut stieg in ihnen auf. Sie zogen die Schwerter und der Lord sagte „Haltet ihn nur fest, ich will ihn persönlich exekutieren!“. Fassungslos von der Untreue seiner Männer und auf die Knie gezwungen blickte der König Sarafan an „Dachtet ihr wirklich“ begann der General wieder „das diese Rüstungen keinen Zweck erfüllen? Diese Magie ist weitaus Älter als alles andere! Eure Wachen sind nun die meinigen, jedoch nicht Kreaturen ohne Verstand. Sie sind mir willig, aber nicht willenlos“ „Aber... wieso das alles?“ fragte der König der Verzweiflung nahe „Rache“ antwortete Lord Sarafan „Rache für unsere Verbannung vom Angesicht der Erde! Und nun werdet ihr all dies mit ins Grab nehmen. Nie wird jemand erfahren wie ihr wirklich gestorben seid.“. Das Schwert in der Hand des Lords, der immer näher gekommen war und jetzt vor ihm stand, sauste hinab. Noch kurz zuckte der kopflose Körper ehe er ruhig liegen blieb. Der König war endgültig gefallen.

Die zwei Glyphenmacher hatten dem nicht beigewohnt. Erst jetzt kamen sie, mit einer Bare in den Händen, in den Thronsaal hinein. Ein wunderschön verziertes Tuch mit unbekannten Runen schützte das was darauf lag vor neugierigen Blicken. Wankend vor Erschöpfung kam Lord Sarafan darauf zu und lüftete persönlich das Geheimnis: es war sein eigener lebloser Körper.
Er fiel daneben auf die Knie und legte zitternd seine rechte Hand auf den Brustkorb. Der Schweiss tropfte von seinem Gesicht, nur schwer konnte er sich konzentrieren. Die schwarzen Männer wussten das er schon viel zu lange in diesem Menschenkörper steckte. Seine Augen begannen grün zu leuchten als seine Seele zurückkehrte in seinen eigentlichen Körper. Sein Brustkorb hob sich plötzlich, das erste Mal seit über 50 Jahren atmete er wieder durch seine eigenen Lungen. Der General, der wieder zur Besinnung kam, blickte voller Furcht zu dem Hylden den er nie zuvor gesehen hatte. Dieser erhob sich von der Bare und das erste was er sagte war „Tötet ihn und dann bringt mir meine Rüstung. Die Zeit drängt, die Stunde rückt immer näher!“.

Kain hatte genug gesehen. Er verliess die Festung, jedoch nicht mit Antworten sondern mit mehr Fragen als je zuvor. Was wollte Möbius das er herausfand? Wieso hatte Raziel von dieser Epoche geträumt oder woher besaß er das Wissen um Meridian? Doch eine Frage brannte sich immer tiefer in seine Gedanken: war er der „Erbe des Gleichgewichts“ und was hatte dies zu bedeuten?
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  #17  
Alt 16.07.2008, 20:48
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So... dann möchte ich heute mal meinen Beitrag leisten.
Mich hat Borgis Story ja von Anfang an überzeugt (auch wenn ich es hier noch nie gesagt habe) und so hab ich, auch auf seinen Wunsch / seine Bitte hin ein Cover-Artwork für Rotten Empire gemacht:

Rotten Empire Cover-Artwork

Borgi, kannst es wenn du willst ja noch im ersten Beitrag reineditieren
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Geändert von Vampire G (19.07.2008 um 14:39 Uhr).
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  #18  
Alt 20.07.2008, 12:38
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Rotten Empire Endversion



So das ist nun endgültig die Version die persönlich bevorzuge ^^
Hab noch ein paar mal dran rumgearbeitet. aber Dunkel kommt cooler...
LoK-typischer
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Geändert von Vampire G (05.08.2009 um 23:57 Uhr).
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  #19  
Alt 20.07.2008, 22:26
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Raziel89 Raziel89 ist offline
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Dann geb ich auch mal kurz meinen Senf dazu...

@DarkBorg

Also ich finde den Anfang schonmal richtig geil und die Geschichte ist auch besonders gut und spannend geschrieben.

@Vampire G

Cover Artwork Nr 2 gefällt mir auch besser. Tolle Arbeit.

mfg
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Wer im Schlaf stirbt, merkt es erst am nächsten Morgen.

§1: Raziel89 hat immer Recht.
§2: Sollte raziel89 einmal nicht Recht haben, tritt sofort §1 in Kraft!
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  #20  
Alt 24.06.2009, 08:34
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Kleines Update: ich komme leider derzeit nicht sehr viel zum schreiben, dass neue Kapitel ist aber schon im Ofen... sorry.
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